Spyware Pegasus wird von israelischen Polizeibehörden zum Ausspionieren der eigenen Bürger verwendet

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Beitrag auf meinem Blog,

Über die Spionagesoftware Pegasus habe ich hier schon oft genug berichtet, mein Standpunkt sollte klar sein und eigentlich kann der damit erst ermöglichte Mord an Hashoggie nicht übertroffen werden. Dennoch macht die Software auch in 2022 nicht für möglich gehaltene Schlagzeilen. Dieses Mal trifft es mit Israel das Heimatland der NSO Group und die Art und Weise der Verwendung dürfte auch in der EU für ähnlich gelagerte Vorhaben neue Brisanz liefern.

Israelische Poliziebehörden nutzen Pegasus ohne Haftbefehle

Pegasus ist in seiner letzten bekannten Form eine sehr ausgeklügelte Spionage-Software, die sich (leider) spielend leicht einsetzen lässt. Man benötigt lediglich die Handynummer des Opfers. Wie genau das funktioniert, habe ich hier erklärt. Diese simple Bedienung machen sich nach einem neuen Bericht von Calcalistech auch israelische Polizeibehörden zunutze. Zu den Personen, deren Telefone gehackt wurden, zählen Bürgermeister, Führer politischer Proteste gegen den ehemaligen und äußerst umstrittenen Premierminister Benjamin Netanjahu. Der muss ssich zudem in einem aktuellen Gerichtsverfahren wegen Korruption zur Wehr setzen und strebt der SZ zufolge einen Deal mit der Anklage an.

Was dem ganzen eine zusätzliche Brisanz verleiht? Es gab weder Haftbefehle noch anderweitige richterliche Anordnungen bzw. Verfügungen, welche das Ausspionieren der Smartphones legitimiert hätten. Gleiches gilt auch für die Art der Auswertungen oder welche Informationen wie verwendet werden dürfen. Auch der Zugriff für andere Ermittlungsbehörden wie die israelische Sicherheitsbehörde oder die israelische Steuerbehörde wurde nicht limitiert – die genannten Behörden können also aktuell uneingeschränkt auf die Daten zur eigenen Auswertung verfügen. Teilweise wurden die Software auch ohne konkreten Tatverdacht auf den Telefonen von Bürgern installiert und diente lediglich zum Sammeln von privaten Daten, um bei einer späteren Befragung ein unabhängiges Druckmittel zu besitzen. In allen Fällen wurde dafür eine nicht näher genannte Gesetzeslücke ausgenutzt.

Inwieweit wusste der ehemalige Premier Netanjahu davon?

Hierbei muss besonders hervorgehoben werden, dass sich unter den Opfern der nicht durch Gerichte angeordneten Spionage auch Protestanten befanden, die vor allem gegen Netanjahu protestieren. Diese Proteste gewannen 2020 im Zuge der COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen wie den ersten landesweiten Lockdown besonders an Fahrt – just in diesem Zeitraum wurden die ersten Smartphones von Aktivisten mit der Spyware infiziert. Dabei ist ebenfalls auffällig, dass die damalige Regierung Netanjahus den Druck durch verschiedene Instrumente auf die Initiatoren der Proteste sukzessive erhöhte. Dies passierte einerseits durch verstärkte Polizeieinsätze und Polizeigewalt. Andererseits wurde versucht, durch Gerichte Auflagen und politisch motivierte Verfahren die Auswirkungen der Proteste zu minimieren.

Schon seit 2013 in Verwendung der israelischen Polizeibehörden

Pegasus erlangte in der breiten Masse erst vor knapp vier Jahren mit der Ermordung des saudischen Aktivisten Hashoggie in der saudischen Botschaft in Istanbul größere Bekanntheit. In Israel selbst wird die Software bereits seit Dezember 2013 konkret eingesetzt. Der Kauf der Software wurde damals durch Yohanan Danino als Generalkommissar der israelischen Polizei autorisiert. Unter seinem Nachfolger Roni Alsheikh, der im Dezember 2015 als Generalkommissar der Polizei befördert wurde, erfuhr die Nutzung von Pegasus eine massive Ausweitung, was Millionen Schekel kostete.

Tatsächlicher Einsatz steht im krassen Gegensatz zu den Aussagen der NSO Group

Die Spionage-Software Pegasus hat schon mehr Schaden angerichtet, als es jemals Nutzen bringen kann. Denn diese Art der Berichte häufen sich nun: Auch in Europa wurde Pegasus von Polen schon gegen eine Staatsanwältin genutzt, hier von mir berichtet. Der jüngste Bericht stammt aktuell von Aktivisten in El Salvador, doch auch Reporter der New York Times wurden schon kompromittiert. In allen genannten Fällen konnte das Citiz Lab eine Infizierung nachweisen. Da stellt sich die Frage, wie genau es die NSO Group bei der Lizenzierung von Pegasus mit seinen eigenen Versprechen nimmt. Man behandle seine Kunden streng vertraulich und betonte, dass Pegasus nur an „geprüfte und legitime“ Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden lizenziere, die sich klar zur Bekämpfung der Kriminalität bekennen. Das klingt wie beißender Spott, wenn man sich das Vorgehen der Polizei in Israel anschaut. Und damit wir uns nicht falsch verstehen, Pegasus wird aktuell genau so in Israel verwendet.

Updates sollten immer eingespielt werden

Der iPhone-Konzern betont, dass man die genutzten Sicherheitslücken (unter anderem das Sandboxing) mit dem Update auf iOS 15.2 geschlossen habe. Aus diesem Grund möchte ich noch einmal daran erinnern, dass der beste Schutz gegen Sicherheitslücken das Verwenden der aktuellen Version von iOS ist. Und ihr solltet dementsprechend auch ein verfügbares Update so schnell wie möglich installieren.

Bestes Argument gegen eine Backdoor in iOS, iPadOS und macOS

Tim Cook betonte immer wieder, dass man auf gar keinen Fall eine Backdoor in seine Betriebssysteme einbauen wird. Man könne niemals garantieren, dass diese Lücke ausschließlich von Sicherheitsbehörden mit entsprechenden Verfügungen genutzt wird. Der Fall in Israel untermauert dieses Argument von Apple auf eindrucksvolle Art und Weise. Und nicht zuletzt dürften sich auch kriminelle nicht an einen ethische oder moralische Verpflichtungen halten.

Macht´s gut und bis zum nächsten Mal hier auf dem appletechnikblog, Euer Patrick a.k.a. Meister des Apfels

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