Traurig aber wahr: Deutschland ist abgeschlagenes Schlusslicht beim E-Learning

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Beitrag auf meinem Blog,

Schon zu meiner Schulzeit vor mehr als 15 Jahren galt das digitale Equipment in den Schulen als hoffnungslos überaltert. Ein Zustand, an dem sich offensichtlich nicht geändert hat, wie nun dank Corona unter dem Brennglas sichtbar sind. Und dies ist nicht nur beschämend, sondern wirft uns im globalen Wettstreit enorm zurück, denn unsere einzige Ressource ist nun einmal die Bildung – wir haben nicht umsonst die größte Anzahl an sogenannten Hidden Champions. Firmen, die hochspezialisiert Nischen auf dem Weltmarkt besetzen. Doch dies ist nun in Gefahr

Die Bildung in Deutschland nimmt einen rapiden Sturzflug

ich hatte mich dazu schon diverse Male geäußert, für wie bedenklich ich die Entwicklung der Bildung in unserem Land halte. Vordergründig mag es sich nach einem Erfolg anhören, dass immer mehr Schüler ein Abitur schaffen. Nur, wieviel ist dieses Abitur noch wert, wenn dazu die Anforderungen immer weiter abgesenkt werden. Es ist auch nicht so, als würden die kognitiven Fähigkeiten unserer Schüler in den letzten 20 Jahren steil nach oben schießen, sämtlicher PISA-Studien der vergangenen Jahre belegen eindrucksvoll das Gegenteil

Schlusslicht im E-Learning

Wie dramatisch die Sachlage ist, wird derzeit dank Corona sichtbar: Es fällt an allen Ecken und Enden an digitaler Ausstattung mit Tablets und Computern sowie passender Software mitsamt digitaler Infrastruktur, sodass der Overheadprojektor immer noch die Speerspitze der technischen Ausstattung vieler Schulen ist.

Da mutet es geradezu paradox an, dass der Berliner Senat im Jahr 2021 nun zu Anfang der Woche ankündigte, allen 30.000 Lehrkräften mit einer Dienst-E-Mail-Adresse ausstatten zu wollen. Ziel soll sein, dass die Lehrkräfte wegen datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr über ihre eigene, private Mailadresse mit den Schülern korrespondieren sollen.

Alleine dieser Umstand, überhaupt erst durch Corona angetrieben, lässt im Jahr 2021 tief blicken, wie es um die Digitalisierung im Bildungssektor bestellt ist – nämlich äußerst schlecht. Denn eine Dienst-E-Mail-Adresse ist eigentlich seit mindestens zeh Jahren eine Pflicht.

Das dieser Vorfall jedoch keine einzelne Momentaufnahme ist, zeigt indes eindrucksvoll der „Digital Lifelong Learning EU-Index“ der europäischen Denkfabrik Centre for European Policy Studies (CEPS) in einer schon Ende 2019 veröffentlichten Studie: Deutschland liegt abgeschlagen auf dem 27. und damit letzten Platz aller Länder innerhalb der europäischen Union

Sogar Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Griechenland sowie Italien liege vor uns. Für die größte Wirtschaftsnation der EU und fünftgrößte Wirtschaftsnation weltweit ist das nichts weniger als eine Bankrotterklärung. Dabei gehen die Ersteller der Studie mit der Politik äußerst hart ins Gericht. Es fehle schlicht und ergreifend an der Weitsicht und an dem Willen, Schulen und Pädagogen dahingehend zu sensibilisieren, sich und die Schüler mit den notwendigen digitalen Fähigkeiten und Kompetenzen auszustatten

Doch das Internet ist ja dieses Neuland

Allerdings muss man fairerweise sagen, dass diese Situation eher eine Gemengenlage ist. Was soll man auch von einer Bundeskanzlerin erwarten, die 2013 das Internet als Neuland bezeichnete oder ausgerechnet die Wirtschaftsministerin lapidar meinte, man brauche kein 5G an jeder Milchkanne? Da passt es natürlich auch, dass unsere EU-Politiker wenig bis gar keine Ahnung haben, was Artikel 17 und Artikel 13 des neuen Leistungschutzrechts in einer digitalen Welt überhaupt anrichten und die digitale Zensur überhaupt nur funktionieren kann……

Und selbst wenn Schulen und Pädagogen mal einen Strang ziehen, schießen kerne mal Beamten quer. Es kann mitunter Monate dauern, bis Anträge für den Digitalen Bildungspakt, welcher mit 5 Mrd. Euro auch viel zu gering ausgestattet ist, bearbeitet werden. Aber wen verwundert es, wenn man von Amts wegen eine Mail bekommt, bei der man ein Dokument ausdrucken, unterschreiben und anschließenb zur Digitalisierung rüber faxen soll? Immerhin sind einige Ämter schon so modern geworden, und lassen das unterschriebene Dokument als eingescannte Version zu, die man dann E-Mail rüberschicken kann.

Erschwerend kommt jedoch auch hinzu, dass innerhalb der EU keine andere Nation als Deutschland gegenüber neuen Technologien und Möglichkeiten so konservativ, ja geradezu ablehnend gegenübersteht. Kein anderes Volk in Europa hat dem gegenüber eine so negative Einstellung, was die Einführung zusätzlich erschwert. Hier bleibt nur zu hoffen, dass Corona auch den Letzten die Augen geöffnet hat und die Notwendigkeit hin zur Digitalisierung angekommen ist.

Wo sind die Steuereinnahmen hin

Das bringt mich abschließend zur Frage, was wir eigentlich mit den immer neuen Rekordsteuereinnahmen zwischen 2005 und 2019 gemacht haben? Immerhin betrug die Steuereinnahme 2019 unfassbare 779 Mrd. Euro? Und es ist bekannt, dass wir einen enormen Investionsstau an Schulen und Universitäten haben, neben der digitalen Infrastruktur ist es vor allem die bauliche Substanz die man dringend auf Vordermann bringen müsste.

Ich meine, wir haben keine Rohstoffe, die wir auf dem Weltmarkt handeln könne, einzig die BIldung können wir als Wirtschaftsnation in die Waagschale werfen und hier versagen wir gerade auf ganzer Linie. Wie frustrierend muss es für Schüler und deren Eltern in der jetzigen Phase gerade sein?

Schreibt mir dazu doch bitte in die Kommentare, wie sich die derzeitige Situation für Euch darstellt? je mehr Feedback wir sammeln, desto besser ist und ich gebe dieses gerne an die entsprechenden Stellen weiter. Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass wir endlich die Digitalisierung in Angriff nehmen

Kommentar verfassen

Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: