Statement von Tim Cook vor dem Kongress bezüglich der Wettbewerbspraktiken im App Store: Mit teils gewagter Argumentation

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In 2020 muss Apple sich mehr und mehr Fragen über seine eigenen Geschäftspraktiken gefallen lassen; wie das eben so ist, wenn man eine bestimmte Unternehmensgröße erreicht hat. Neben der Frage, ob Apple wirklich steuergerecht und -konform agiert, interessieren sich Politiker und Wettbewerbshüter vor allem über den Umgang, den Apple in seinen eigenen Vertriebskanälen an den Tag legt.

Offizielle Stellungnahme bereits erfolgt

Gerade im sonst so liberalen Heimatmarkt in den USA wird das Unternehmen aus Cupertino im Zusammenhang mit anderen tech-Giganten nun deutlich kritischer beäugt. Deshalb muss Tim Cook bekanntlich demnächst Rede und Antwort vor einem Ausschuss des US-Kongresses zu den Geschäftspraktiken im App Store stehen.

Nun wurde die vorab eingereichte offizielle Stellungnahme vor dem „Subcommittee on Antitrust, Commercial and Administrative Law“ veröffentlicht – mit einer teils sehr fahrig wirkenden Argumentation.

Die wichtigsten Argumente habe ich einmal zusammengefasst und aufgelistet, bei einigen Argumenten habe ich eigene Anmerkungen vorgenommen.

Einleitende Worte

  • Cook preist Apples Bestreben, das Leben von Menschen bereichern zu wollen – mit der Überzeugung, nicht die meisten, sondern die besten Produkte zu erschaffen
  • Apple ist ein einzigartiges amerikanisches Unternehmen mit einer Erfolgsgeschichte, welche nur in den USA möglich sei
  • Mit dem iPhone schuf Apple ein einzigartiges Ökosystem, dessen Abstimmung von Hardware, Software, Bedienung und Einfachheit von Anfang an zu den höchsten Zufriedenheitsraten unter Mobiltelefonen führte
  • Dennoch sei der Smartphone-Markt heiß umkämpft, mit teils ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen (z.B. Google, Huawei, Samsung oder Fairphone)

Die grundlegenden Überzeugungen von Apple

  • Privatsphäre und Sicherheit stehen bei Apples Entscheidungen immer im Vordergrund
  • Auch beim App Store galt von Anfang an, eine vertrauenswürdige Plattform erschaffen zu wollen – für Nutzer und Entwickler
  • Dazu zähle auch, die Qualität durch genaue Vorgaben und Überprüfung einer jeden App hochzuhalten
  • Wer als Nutzer eine App beziehe, müsse sich darauf verlassen können, dass diese sicher und zuverlässig ist

Jeder kann sich für den App Store als Entwickler anmelden

  • Entwickler bestimmen die Preise selbst und bezahlen keine „Regalmiete“ – Man muss sich aber als Entwickler für 99,00€ Gebühr pro Jahr registrieren
  • Apple unterstützt mit mehr als 150.000 Entwicklungs-Schnittstellen um es jedem zu ermöglichen, Apps für den App Store zu entwickeln
  • Die Richtlinien sind laut Apple transparent und gelten für jeden ungeachtet der Größe des Unternehmens
  • In Stein gemeißelt sind die „App Store Guidelines“ hingegen nicht, regelmäßig gebe es Anpassungen, wenn sich der Markt verändert
  • Sofern Änderungen erforderlich sind, arbeite Apple mit Entwicklern zusammen, um diese bei erforderlichen Umstellungen zu unterstützen


Kaum ein Entwickler zahlt vorab Geld, was unwahr ist

  • Apple betont, dass ein Entwickler per se keine Abgaben an Apple abführen müsse. Allerdings muss man, um Apps im App Store einreichen zu können, sich als Entwickler für eine jährliche Gebühr von 99,00€ registrieren.
  • Laut Apple behalten die überwiegende Mehrzahl von Entwicklern 100% der über die App erzielten Einnahmen – diese müssen aber über den App Store zu den hinterlegten Bedingungen eingereiht werden. So ist der Abschluss eines Abos außerhalb des App Store so gut wie unmöglich geworden
  • Jene Gebühren seien von Apple noch nie erhöht, stattdessen bei verlängerten Abos sogar reduziert worden
  • Vor dem App Store herrschten Distributionsmethoden wie Packungsversionen in Shops vor, dies mit hohen Produktions- bzw. Verkaufskosten. Physische Medien mussten verschickt werden, Updates waren umständlich – Zum Start des App Stores 2008 existierte durchaus ein volatiler Online-Markt für Software. Auch App Stores, wenn auch nicht in dieser Form, gab es schon 2008. Nokia und auch Palm hatten diesbezügliche Angebote. Außerdem verkaufte auch Apple weit nach 2008 noch Software-Upgrades über physikalische Datenträger – Mac OS X 10.7 Lion beispielsweise.

Apple begrüßt den Wettbewerb

  • In der Stellungnahme ist ausführlich die Rede davon, wie sehr es Apple Kontrolle des Marktes begrüßt, um gegen Missbrauch vorzugehen
  • Apple teilt die Auffassung, dass Wettbewerb ein Grundpfeiler ist, um Innovation zu fördern, neue Ideen entstehen zu lassen und dem Kunden Auswahl zu bieten
  • Seit der Gründung Apples waren dies Werte, die das Unternehmen definierten
  • Vorwürfe bezüglich wettbewerbswidrigen Verhaltens will Apple nicht gelten lassen
  • Natürlich gilt Apple im App Store als „Türsteher“: Allerdings wolle man möglichst viele Apps anbieten – und nicht möglichst viele ausschließen. Apple verschloss keine Türen, stattdessen wurde diese überhaupt erst geöffnet.

Keine marktbeherrschende Stellung

Tim Cook betonte außerdem noch, dass Apple im weltweiten Markt keinesfalls eine marktbeherrschenden Stellung einnehme, da andere Unternehmen wie Google oder Samsung Marktführer sind. Dies mal zwar allgemein gelten, allerdings ist Apple auf seinen eigenen Devices sehr wohl Monopolist.

Die Argumente von Tim Cook bzw. Apple lesen sich größtenteils schlüssig. Nur bei den entscheidenen Argumenten kommt Apple meiner Meinung nach gehörig ins Schwimmen und bringt nur Halbgares als Argument vor. Will Apple diese Anhörung nicht verlieren, muss Tim Cook in der persönlichen Anhörung Argumente mit deutlich mehr Substanz vorbringen, sonst wird es schwer werden.

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von Anders Noren.

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