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Das iPad Pro 2020 – ein Pro-Gerät welches seinem Anspruch nicht gerecht wird


Artwizz
Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Review auf meinem Blog,

Bevor wir direkt in das Review starten gibt es eine witzige Anekdote zum iPad: Scheinbar erweist sich hier der 16.04. als mein persönlicher iPad-Tag denn auch mein allererstes iPad, das Air 2, habe ich mal an einem 16. April gekauft – das Leben schreibt eben die besten Geschichten.

 

Das iPad Pro meiner Wahl

Das von mir selbst erworbene iPad Pro 2020 ist ein iPad mit 11“ Displaydiagonale in der Farbe spacegrau, 256 GB Speicher sowie Cellular. Dazu habe ich mir den Apple Pencil 2. Generation und das Smart Keyboard Folio zugelegt auf die ich ebenfalls in diesem Review eingehen werde.

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Wie dem auch sei, das iPad Pro 2020 11“ ersetzt nicht nur mein iPad Pro 10,5“ sondern ist darüber hinaus auch erst das dritte iPad, welches ich überhaupt gekauft habe. In diesem Review will ich mir abseits der Verbesserungen hinsichtlich der Performance anschauen, ob Cupertino es geschafft hat, die teils massiven Einschränkungen, mit denen das iPad Pro 10,5“ seinerzeit schon zu kämpfen hatte, zu überwinden.

 

Verpackung und Inhalt

Das der iPad-Konzern Verpackungen wie kein Anderer beherrscht, überrascht wohl Niemanden mehr. Genauso verhält es sich auch hier. Die Front der ansonsten im schlichten Weiß gehaltenen Verpackung stellt den Bildschirm des iPad Pro dar.83F4A034-CACF-4282-A0D1-877127D41E5F_1_201_a

Auf der Rückseite geht es ein bisschen lebendiger zu; hier finden sich näherstehende technische Informationen zum Inhalt sowie die Seriennummer wieder.

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Die Folie einmal abgezogen, dauert es ziemlich exakt die berühmt-berüchtigten knapp 24 Sekunden, bis sich der Deckel vom eigentlichen Karton löst und man wird endlich vom in einer Folie verpackten iPad Pro 11″ 2020 begrüßt.

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Unter dem iPad befindet sich der übliche Hefter indem sich eine Kurzbedienungsanleitung sowie die typischen Aufkleber befinden. Abgerundet wird der Lieferumfang dann noch von einem 18-Watt-Powercharger sowie einem USB-C-auf-USB-C Kabel denn das iPad Pro hat ja bekanntlich statt einem Lightning- einen USB-C-Anschluss bekommen.

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Angesichts der üppigen UVP von mindestens 879,00€ sowie dem Pro-Anstrich ist der Lieferumfang doch arg überschaubar und äußerst dürftig – zumindest ein Mikrofasertuch für das Display, welches Fingerabdrücke magisch anzieht, wäre wünschenswert gewesen. Bevor wir nun direkt in das eigentliche Review einsteigen, schauen wir uns noch einmal kurz die wichtigsten Tech-Specs des iPad Pro 11“ 2020 an.

 

ZDF – Zahlen, Daten, Fakten

  • 11” IPS-Liquid-Retina Display mit einer Auflösung 2388 x 1668 Pixeln bei 264 ppi, vollständig laminiert
  • 120 Hz Bildwiederholrate, ProMotion-Display genannt
  • True Tone (automatische Anpassung des Weißwerts an das Umgebungslicht)
  • P3-Farbraum
  • Anti-Reflex-Beschichtung
  • 600 Nits Helligkeit
  • Face ID zur Entsperrung
  • A12Z Bionic 64-bit Chip m. 8 Kernen und max. Taktfrequenz von 2,49 GHz, hergestellt im 7nm-Verfahren und integrierte Neural Engine der 2. Generation
  • Integrierter M12 Motion-Coprozessor
  • 8-Kern GPU
  • 6 GB RAM
  • Quad-Lautsprecher
  • 5 Mikrofone
  • 12 MP Weitwinkelkamera m. einer Blende f/1.8
  • 10 MP Ultraweitwinkelkamera m. einer Blende f/2.4
  • LiDAR-Scanner für AR
  • 2x optischer Zoom, 5x digitaler Zoom
  • Autofokus mit Focus Pixeln
  • Smart HDR
  • EIS (elektronische Bildstabilisierung
  • 4K Video mit 24 fps, 30 fps
  • 802.11ax WLAN 6 m. 4×4 MIMO (2,4 GHz & 5 GHz)
  • Bluetooth 5.0
  • eSIM (nur im LTE-Modell)
  • Gigabitfähiges LTE
  • Gewicht von 473 Gramm (Nur das Modell mit LTE)

 

 Haptik und Verarbeitung

Direkt aus der Verpackung genommen, merkt man gleich die Unterschiede hinsichtlich des Gehäuses zwischen dem iPad Pro 2020 und meinem Vorgänger, dem iPad Pro 10,5“.

Die kantigeren Ränder geben dem iPad für mich etwas mehr Grip; ich habe nicht mehr das Gefühl, dass mir das iPad jederzeit aus der Hand flutschen kann. Hier hat Apple also hinsichtlich der Haptik noch einmal eine Schippe drauf gepackt.

Auch die übrigen Verarbeitungsqualität lässt so gut wie gar kein Spielraum für Kritik. Alle Aussparungen wie die Löcher der Lautsprecher, die USB-C-Buchse und auch das Kameramodul auf der Rückseite sind absolut auf den Punkt verarbeitet. Nirgend lässt sich eine Unebenheit oder ein Fertigungskrat ertasten.

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Lediglich der SIM-Schlitten steht mit aufgenommener Nano-SIM-Karte einen ganz zarten Hauch hervor; das war allerdings auch schon beim Vorgänger so:

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Anlass zur (berechtigten) Kritik gibt es allerdings für den Korpus hinsichtlich der Gehäusestärke. Mit einer „Dicke“ von gerade einmal 5,9 mm in Kombination mit Aluminium als Werkstoff ist das Gehäuse nicht nur gefühlt zu dünn. Ich habe leider immer eine latente Angst, dass ich mein über 1000€ teures iPad auch bei einem simplen Transport im Rucksack ohne viel zusätzliches Gepäck einfach verbiegt – ein Schicksal welches auch mein 10,5“ iPad Pro schon einmal ereilt hat. Wer mir da nicht glauben will kann sich gerne einmal zahlreiche Videos bei YouTube anschauen oder das iPad vorsichtig im Querformat zwischen den Händen (ver)drehen. Ihr werdet erstaunt sein, wie wenig Kraft man dafür aufwenden muss.

 

Inbetriebnahme des iPad

Im Grunde genommen war das Einrichten des iPad Pro wie bei jedem anderen iDevice auch. Starten, den Startbildschirm durcharbeiten (Sprache und Land auswählen, Zugangsdaten für das WLAN eingeben, Apple ID eintragen und aus einem iCloud-Backup wiederherstellen) und das war es.

Okay, nicht ganz denn das iPad Pro 2020 besitzt, wie der direkte Vorgänger auch, statt Touch ID nun Face ID als biometrischen Sicherheitssensor. Also war hier noch der Scan des Gesichtes vonnöten. Das klappte erstaunlich gut und ich hatte das Gefühl, dass der Winkel zur Erfassung etwas großzügiger als bei meinem iPhone XS Max ist.

Damit haben sich die Vorteile von Face ID allerdings auch schon wieder erschöpft denn im Alltag macht es mich schier wahnsinnig, doch dazu später mehr.
Performance – warum Apple sich einen angepassten A12 leisten kann

Schon kurz nach der Vorstellung wurde, auch durch diverse Teardowns und Benchmarks, klar, dass Apple statt einer Neuentwicklung eine optimierte Variante des A12X Bionic einsetzt. Der A12Z Bionic unterscheidet sich letztendlich nur durch den aktivierten 8. Kern der GPU weshalb die Benchmarks sowohl im Single-Core – als auch im Multi-Core nahezu identisch sind und sich lediglich in der Langzeitbelastung kleine Abweichungen zeigen. Das ist insofern leicht zu erklären, als dass Apple beim A12Z Bionic das Thermalmanagement im Gehäuse des iPad Pro 2020 zum Ableiten der Wärme überarbeitet und somit etwas optimiert hat.

Die Zahlen des direkten Vorgängers liegen mit 1109 Punkten im Single-Core und mit 4600 Punkten im Multi-Core also eigentlich gleichauf – hier gibt es also keine gravierenden Unterschiede und kein Grund um zum neuen iPad Pro 2020 greifen zu müssen.

Lediglich in der Grafikleistung kann sich der A12Z Bionic aufgrund des zusätzlich aktivierten Kerns etwas absetzen, dies sind allerdings nur ca. 15% und somit mathematisch erklärbar:

Manch einer mag hier nun aufschreien und wettern, wie Apple sich nur erdreistet, einen knapp anderthalb Jahre alten Chip zu verwenden. Die Antwort darauf besteht aus zwei Teilen wobei der zweite Teil auf dem ersten Teil aufbaut.

Das Herstellen von Chips ist eine hochkomplexe und sensible Angelegenheit. Je kleiner und gleichzeitig leistungsstärker ein Chip ist, desto fragiler ist der Herstellungsprozess. Da die verwendeten Rohstoffe, Forschung und Entwicklung sowie die eigentliche Herstellung aber sehr Preisunterschiede nimmt, schmeißt man die Chips nicht gleich weg sondern „recycelt“ sie sozusagen um sie in einer niedrigeren Leistungsklasse verwenden zu können – Intel verfährt seit Jahren so. Ein als ursprünglich hergestellter i7-Prozessor kann nicht die dafür vorgesehen Leistung bringen, also wird er als i5 verwendet. Ähnlich dürfte Apple mit dem A12X Bionic bzw. dem A12Z Bionic vorgegangen sein.

Höchstwahrscheinlich war die Fertigungsausbeute im Vorfeld des iPad Pro 2018 hinsichtlich der GPU noch nicht so optimal, dass Apple sich hier schlicht für die Deaktivierung des achten GPU-Kerns entschied. Nun dreht sich die Welt natürlich weiter und TSMC, als Chipfertiger des A12X Bionic, dürfte im letzten Dreivierteljahr die Fertigung soweit dahingehend optimiert haben, dass der Ausschuss fehlerhafter A12X mit einem defekten GPU-Kern unter die selbstgesteckte Fertigungstoleranz gefallen ist. Vereinfacht gesagt: Die Fertigung ist soweit optimiert, dass Apple sich die Aktivierung des zusätzlichen Kerns der GPU erlauben kann ohne Zuviel Ausschuss zu produzieren.

Der zweite Teil der Antwort, warum Apple mit dem A12Z Bionic eine leicht aufgebohrte Variante des A12X Bionic einsetzt, ist der Konkurrenz und dem eigenen Vorsprung geschuldet.

Apple fing an, im iPhone 5 erste eigene Chips zu produzieren und legte ein Jahr später mit dem ersten ARM-Chip auf Basis der 64-bit-Architektur das Fundament für den immensen Vorsprung. Dieser ist seit dem A10 Fusion (mit selbstentwickelten Controller) so eklatant, dass Branchenkenner den Wert des Vorsprungs auf 18 bis 30 Monate reine Entwicklungszeit schätzen.

Oder anders ausgedrückt: Das zurzeit schnellste erhältliche Android-Tablet Samsung Galaxy Tab S6 mit mehr RAM ist gerade einmal halb so schnell wie das iPad Pro 11“ 2020 mit 4GB RAM – obwohl derA12X Bionic ein knappes Jahr älter als der im Tab S6 verwendete Snapdragon 8150 (eine abgewandelte Variante des Snapdragon 855) ist

 

Das Display – zwar das Beste seiner Klasse und trotzdem enttäuschend

Bevor wir uns dem Einsatz im Alltag widmen will ich noch einmal etwas näher auf das Display eingehen denn hier gab es im Vergleich zum iPad Pro 10,5“ Stillstand bzw. sogar Rückschritte.

Zunächst einmal die positiven Eindrücke des Liquid Retina getauften Displays. Es ist trotz der mittlerweile geringen Auflösung von 264 ppi im Alltag knackig scharf, Farben werden dank erweiterten P3-Farbraum natürlich und trotzdem lebendig dargestellt. Auch die Helligkeit geht nominell mit 600 Nits in Ordnung – soweit die „Vorteile“

Ich fasse das bewusst in Klammern denn all die eben genannten Funktionen schaffte auch das iPad Pro 10,5“ und zwar absolut identisch. Es ist für mich also schon mehr als enttäuschend, dass Apple es nicht geschafft hat, die maximale Helligkeit zu erhöhen sondern bei 600 Nits verharrt. Gerade eine höhere Helligkeit macht sich auf dem iPad im Außeneinsatz positiv bemerkbar und würde der Werbung als „Dein nächster Computer ist kein Computer“ eher Rechnung tragen – ein Werbeslogan welchen Apple mit dem iPad Pro im Laufe des Reviews noch deutlich häufiger verfehlen wird als es Cupertino lieb sein dürfte.

Richtig enttäuschend ist aber ein anderes Detail, welches so vollkommen unterging: Das Liquid-Retina-Display des neuen iPad Pro (für über 1000,00€ wohlgemerkt) unterstützt weder HDR noch Dolby Vision und das ist wirklich zutiefst verstörend. Nicht nur, dass das iPad Pro 10,5“ dies unterstützte, es führt auch den Preis und und die Positionierung des iPad innerhalb des eigenen Hardware-Ökosystems ad absurdum. HDR und Dolby Vision werden nämlich seit dem iPhone XS in den Topmodellen des iPhone unterstützt und richtet sich dabei natürlich an alle Konsumenten von Disney+ und Netflix. Nur, wenn ich die Wahl habe, auf einem 6,5“ „großen“ iPhone-Bildschirm oder aber dem 11“-Screen des iPad zu schauen – für welchen Screen entscheide ich mich dann im Zweifelsfall?! Wohl eher für den größeren  Bildschirm des iPad Pro.

Und bevor auch hier wieder Einige aufschreien und mir erzählen, das iPad Pro kann doch 4K, HDR und Dolby Vision. Der Teufel steckt im Detail denn in der entsprechenden Passage auf der Webseite von Apple ist explizit von der Ausgabe auf externen Monitoren die Rede. Monitore, die ich über den USB-C-Anschluss anschließen muss.

 

Face ID – ein Schritt vorwärts und zwei Schritte zurück

Damit kommen wir nun auch zum Desaster namens Face ID, anders kann man die völlig unzureichende und unergonomische Platzierung nicht nennen.

Das iPad wird heute überwiegend im Querformat genutzt, ein Umstand den sogar Apple weiß. Schließlich bietet der Konzern ja (die in beiden Fällen absurd teuren) mit dem Smart Keyboard Folio und dem Magic Keyboard zwei Tastaturen, bei denen das iPad im Querformat eingesetzt wird, an. Ein Querformat bei dem die Oberseite des iPad mit dem verbauten Face ID-Sensor um 90 Grad nach links gedreht wird. Was passiert also, wenn Ihr das iPad Pro im Querformat in die linke Hand nehmt, um es als Rechtshänder (wie ca. 85% aller Menschen weltweit) mit der rechten Hand zu bedienen? Richtig, Ihr verdeckt mit Eurem Daumen den kompletten Bereich des Rahmens wo der Face ID-Sensor untergebracht ist.

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Das passiert in neun von zehn Fällen und ich muss entweder manuell den Sperrcode eingeben oder die Position des Tablets in meiner linken Hand ändern. Ergonomisch gesehen ist das nichts anderes als eine Vollkatastrophe! Hier wäre eine Platzierung an der rechten Gehäuseflanke im oberen Drittel deutlich sinnvoller gewesen; zumal auch FaceTime davon profitiert hätte. In der jetzigen Position muss man das iPad immer etwas zurecht schieben und trotzdem ist man beim Gegenüber nicht mittig platziert – aber wir hatten das Thema Ergonomie ja schon….

Wenigstens fällt dann danach das umständliche Bezahlen via Face ID nicht mehr so sehr ins Gewicht. Schließlich muss man dafür ja zweimal den Sperrbutton auf der Stirnseite des iPad Pro drücken – ist nämlich genauso unkomfortabel wie es sich anhört; auf dem aktuellen iPhone Line-Up ist der Schalter rechts am Gehäuse.

Versteht mich nicht falsch, Face ID ist auch drei Jahre nach Vorstellung immer noch beeindruckend und hinsichtlich der Sicherheit unerreicht – was vergleichbare Systeme von  anderen Herstellern angeht. Hier geht es allerdings um den Use Case im Alltag und dieser ist aufgrund der Platzierung im Vergleich zu Touch ID einfach ein Rückschritt.

 

Der Einsatz im Alltag – ein schmaler Grat zwischen Himmel und Hölle

Kommen wir nun zum wichtigsten Part des Reviews: Wie schlägt sich das iPad Pro 2020 im Alltag? Im Prinzip hätte ich hier spätestens mein Review aus 2018 zum iPad Pro 10,5“ 1:1 kopieren können…

Doch fangen wir der Reihe nach an und widmen uns der Performance. Die ist nämlich über jeden Zweifel erhaben und einfach der Wahnsinn. Der A12Z Bionic hackt leistungstechnisch wirklich Alles in Grund und Boden. Egal ob ihr mit Asphalt 9 ein aufwendiges Spiel zockt, verschiedene Apps im Hintergrund laufend wieder nach vorne holt oder aufwendige Tabellen formatiert und exportiert – es geschieht alles rasend schnell, wunderbar flüssig und es flutscht im wahrsten Sinne des Wortes. Gleiches gilt auch für Videoschnitt, auch hier lässt sich das Gerät nicht aus der Ruhe bringen. Zwar habe ich in meinem Fall nur ein anderthalb Minuten langes Video mit iMovie bearbeitet und exportiert – das iPad war trotzdem um einiges schneller als mein MacBook Air 2018.

Flutschig ist auch ein gutes Stichwort für das Display. Denn die 120 Hz Bildwiederholrate, die Apple werbewirksam ProMotion nennt, sorgen dafür, dass alle Inhalte auf dem Display butterweich und flüssig laufen. Ob das Surfen in Safari oder das Lesen von Zeitschriften von Magazinen in Readly; alles fühlt sich wirklich smooth an und wer das einmal genossen hat, will definitiv nicht mehr zu einem iPad mit einem 60 Hz-Display zurück wechseln. Da kann man wirklich nur hoffen, dass Apple endlich auch im kommenden iPhone ein 120 Hz-Display einsetzt.

Die 6 GB RAM machen sich, wie bereits angedeutet, positiv im Multitasking bemerkbar sind aber eher als Investition in die Zukunft, speziell für das Thema AR, zu sehen. Zurzeit macht sich das eher bei vielen geöffneten Apps bemerkbar. Die sind aufgrund des größeren Arbeitsspeicher einfach noch ein Tacken schneller wieder verfügbar sobald Ihr diese aus dem Taskmanager wieder nach vorne holt.

Etwas skeptisch war ich wegen dem Format des Displays, da Cupertino diesem beim iPad Pro 11“ geändert hat. Statt einem 16:9-ähnlichem Format haben wir hier ein Format, welches dem Faktor 3:2 sehr nahe kommt. Das funktioniert für ein Tablet überraschend gut, gerade Zeitschriften und Magazine profitieren enorm davon. Hochkant genutzt muss ich in meiner SportBild deutlich weniger hinein und hinaus zoomen.

Bis hierher kann sich das neue iPad Pro 11“ 2020 von seinem direkten Vorgänger beim mir, dem iPad Pro 10.5“, klar absetzen. Mangelnde Performance war allerdings auch schon beim 10,5“-iPad Pro nicht das K.O-Kriterium – es ist überhaupt fraglich ob im normalen Anwenderszenario überhaupt ein Unterschied festgestellt werden kann. Es ist schlicht und ergreifend die Unzulänglichkeit der einzelnen Apps, die das iPad Pro 11“ 2020 zu einem wunderbaren, unfassbar schnellen aber letztendlich nutzlosen Stück Technik macht.

Damals wie heute hat Apple, trotz zwischenzeitlichem Release von iPadOS mitsamt Unterstützung von Trackpad/Maus, es immer noch nicht begriffen, was dem iPad Pro fehlt – qualitativ gute und konsistente Software. Nehmen wir dazu einmal die Plattform WordPress.com über die ich meinen Blog hoste. Es gibt sowohl für den Mac als auch für das iPad eine native Anwendung von WordPress und trotzdem ist die Diskrepanz hinsichtlich des Funktionsumfangs zu Ungunsten der iPad-Version enorm.

Unter dem Mac kann ich beispielsweise ganz einfach mit zwei Klicks den sogenannten (und von mir initial angelegten) „Bezahlen“-Button einfügen mit dem Ihr mir Geld für meine Kaffeekasse spenden könnt.

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Das iPadOS-Pendant von WordPress kennt diese Funktion nicht einmal, geschweige denn, dass sie beim einem bereits existierenden Beitrag korrekt dargestellt wird.

Das ist Euch zu abstrakt? Gut, dann nehmen wir den Shortlink. WordPress auf dem Mac erzeugt automatisch nach jedem Publishen eines Beitrages im Seitenmenü „Teilen“ einen Short-Link. Auch das kennt die iPadOS-Version von WordPress gar nicht. Will ich also auf dem iPad für einen Beitrag einen Shortlink erzeugen, benötige ich mit Bitly eine zweite App dazu.

Wenn nun Jemand sagt, ich soll mal nicht so kleinlich sein, für den habe ich noch ein weiteres Beispiel. Regelmäßig veröffentliche Archiv-Beiträge von meinem Blog. Auch hier geht das auf dem Mac ganz einfach.

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Ich gehe in meine veröffentlichen Beiträge, wähle über die Suchfunktion den gewünschten Beitrag aus, klicke auf das Kontextmenü neben dem Beitragsbild (ohne den Beitrag selbst zu öffnen) und wähle im Dropdown-Menü den Reiter „Teilen“ aus. Anschließend kann ich einen netten und für die Situation passenden Vorschautext schreiben und klicke auf „Beitrag teilen“

WordPress unter iPadOS? Der geneigte Leser erkennt nun langsam ein Muster und richtig, auch hier absolute Fehlanzeige. Auch diese Funktion gibt es schlicht bei WordPress auf dem iPad nicht.

Was bedeutet das im Umkehrschluss? Nun, ich muss ständig und immer wieder Umwege gehen. Umwege, welche meinen Workflow hemmen und wahnsinnig viel Zeit verschwenden. Teilweise brauche durch die ganzen notwendigen Zwischenschritte für einen identischen Text am iPad bis zu dreimal soviel Zeit wie am MacBook.
Dabei ist es doch Sinn von einem Pro-Gerät, dass man unter dem Strich Zeit einspart, oder nicht?

Der geneigte Leser mag nun einwerfen, dass ich mir hier zu stark auf eine einzelne App konzentriere. Das dem nicht so ist, kann man beispielsweise auch an der Photoshop-Variante für iPadOS nachvollziehen. Auch hier reicht die Variante für das iPad lange nicht an das Pendant vom Desktop ran. Oder nehmen wir beispielsweise das von mir genutze iMovie. Auch hier fehlen der Version unter iPadOS zentrale Funktion wie beispielsweise die Stabilisierungsfunktion. So musste ich das Video erst auf den iMac übertragen, dort die Stabilisierungsfunktion auswählen, bearbeiten und exportieren lassen um es anschließend wieder auf das iPad zu exportieren. Ein Pro-Workflow sieht definitiv anders aus – die Liste könnte noch weitergeführt werden.

 

Das Zubehör – wie Apple jegliche Maß verliert

In meinen Augen lässt sich das iPad Pro erst mit dem Apple Pencil und einer Tastatur wirklich vollwertig nutzen oder anders ausgedrückt: Nur dann lassen sich alle Stärken des iPad Pro 11″ 2020 voll ausnutzen.  Ein Umstand, denn sich Apple mehr als fürstlich vergüten lässt. So muss man für den Apple Pencil 2. Generation 135,00€ hinlegen, was einer offenen Preissteigerung von fast 33% entspricht.

Diese Preiserhöhung ist für Apple anscheinend noch nicht hoch genug; man gibt dem Kunden über eine versteckte und sehr ärgerliche Preiserhöhung noch ordentlich einen mit: So fehlt im Lieferumfang des Apple Pencil nämlich eine Ersatzspitze, welche beim Apple Pencil 1. Gen noch zum Lieferumfang gehörte. Es mag sich zwar nach einer Kleinigkeit und Haarspalterei anhören. Angesichts dessen, dass es die Ersatzspitzen nur im Viererpack zu einem Preis von 25,00€ gibt, sollte es nicht unerwähnt bleiben.

Dafür liegt der Apple Pencil 2 durch die abgeflachte Seite nun deutlich ergonomischer in der Hand – ich kann mit ihm deutlich besser über einen längeren Zeitraum schreiben & zeichnen da er zudem besser in der Hand liegt.

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Die abgeflachte Seite hat aber noch einen anderen, viel wichtigeren, Effekt: Der Apple Pencil 2 lässt sich damit durch den eingelassenen Magneten im Gehäuserahmen des Tablet endlich am iPad magnetisch „festklippen“ – vorbei die Zeiten, als man den Pencil lose rumfliegend im Rucksack transportieren musste. Außerdem lässt sich der Apple Pencil 2 nun drahtlos direkt am iPad aufladen. Ein leerer Apple Pencil gehört damit also der Vergangenheit an.

Zwar konnte man den Apple Pencil 1. Gen durch den integrierten Lightning-Anschluss direkt am iPad laden, ich war jedoch nie ein Freund davon. Das Risiko, dass der eingesteckte Stift am Lightning-Anschluss abbricht, war mir immer zu groß

Auch bei der Tastatur gibt eine wichtige Verbesserung zu vermelden: Endlich wird auch die Rückseite des iPad geschützt und man hat eine vollwertige Hülle. Dabei schützt das Smart Keyboard Folio das iPad Pro nicht nur sondern nimmt auch eine wichtige Sicherheitsfunktionen ein: Im zugeklappten Zustand wird beim iPad Pro 2020 die Verbindung zu den Mikrofonen hardwareseitig gekappt und ein Abhören ist somit unmöglich. Nicht, dass dies durch das Sandboxing von iPadOS so einfach mögliche gewesen wäre.

Das Tippen an sich ist leider genauso unkomfortabel wie beim Smart Keyboard des iPad Pro 10,5“. Apple nutzt die gewonnene Größe von 0,5“ zwar geschickt aus indem der Abstand zwischen den einzelnen Tasten etwas größer wurde – am Tastenhub oder dem stoffartigen Überzug hat sich nichts geändert. Dementsprechend hart und laut ist das Tippen auf besagtem Smart Keyboard Folio und eignet sich nicht für das Verfassen von Texten in einem ruhigen Café.

Ich wage diese Behauptung deshalb, weil dieses Review komplett am iPad mitsamt dem Smart Keyboard Folio getippt wurde – und dieses Review besteht immerhin aus über 5000 Wörtern. Aber hey, das neue Smart Keyboard Folio hat auf der Rückseite immerhin ein eingeprägtes Apple-Logo. Man will ja schließlich für seine investierten 199,00€ etwas haben……

Ein Wort muss ich leider noch zur Verarbeitungsqualität verlieren denn die ist leider nicht so gut. Das neue Smart KeyBoard Folio hat jetzt eine ähnliche Silikonbeschichtung wie die Silicone-Cases für das iPhone. Was sich im ersten Moment haptisch ganz gut anfässt, ist auf Dauer mit den gleichen Schwächen versehen. Die Versiegelung ist recht schnell abgegriffen und die Beschichtung löst sich dann – in meinem Fall sogar innerhalb von 16 Tagen nach Kauf.

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Und Apple weigerte sich dann auch zunächst, diesen Mangel durch einen Austausch auszubessern. Hier habe ich dann insgesamt zwei Chats mit ingesamt drei verschiedenen Mitarbeitern und insgesamt zwei Stunden und 15 Minuten Zeit gebraucht….

 

Inkonsistente und unergonmische Bedienung

Apple rühmt sich immer damit, dass bei allen Entscheidungen, die man im Laufe der Produktentwicklung trifft, der Anwender und die Benutzung im Vordergrund steht – eine Aussage von der man leider herzlich wenig merkt.

Nehmen wir hier noch einmal den Apple Pencil. Dieser liegt zwar deutlich besser in der Hand nützt mir aber nichts, wenn ich immer zwischen ihm und den Finger wechseln muss. Denn ich kann, warum auch immer, nicht mit dem Apple Pencil aus einer App heraus auf den Homescreen kommen. Dazu muss man vom unteren Rand so halb in das Display wischen und hier verweigert der Apple Pencil partout seinen Dienst.

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Hier muss ich also den Apple Pencil in der Hand umgreifen um einen Finger nutzen zu können. Natürlich könnte ich auch die andere Hand nutzen, nur halte ich damit das iPad fest. Auch hier mag es nur nach einer Kleinigkeit klingen und doch ist es so frustrierend, weil es einfach den Workflow hemmt.

Ähnliches lässt sich auch über die Tastatur berichten. Zwar geht das Aufstellen des iPad durch die Art Schiene nun deutlich schneller und zielgerichtet vonstatten und auch den zweiten Aufstellwinkel will ich nicht unerwähnt lassen. Dieser ist jedoch so steil, dass ihn niemand nutzen will.

Und das, was das iPad eigentlich braucht, nämlich einen deutlich flacheren Aufstellwinkel bspw. zum Zeichnen, hat Cupertino getrost ignoriert. Das Schlimme daran ist noch nicht einmal das Fehlen selbst, sondern das der ärgste Rivale Microsoft mit dem ARM-Surface vormacht, wie es geht.

Aber es gibt auch etwas Licht am Ende des Tunnels. Die Tastatur lässt sich endlich komfortabel umklappen wenn man diese nicht braucht und das iPad Pro nur mittels Display bedienen will. Das dabei die Tasten im umgeklappten Zustand außer Funktion sind, zeigt, dass Apple zumindest hier mitgedacht hat.

Zusätzlich ist und bleibt das Tippen auf dem Smart Keyboard Folio abseits von Tischen wie auf dem eigenen Schoß nach wie vor eine äußerst wacklige Angelegenheit. Hier soll das Magic Keyboard aufgrund der Handballenauflage eine leichte Verbesserung bieten.

 

Kamerahöcker

Das größte Unterscheidungsmerkmal für das iPad Pro 2020 gegenüber dem Vorgänger aus 2018 ist ganz klar die Kamera. Das liegt zunächst einmal ganz offensichtlich am Design, hier haben wir nun einen quadratischen Kamerahöcker.

Das war notwendig, da Apple der Kamera zwei gravierende Neuerungen spendiert hat. Das iPad Pro verfügt nun durch die neu hinzugekommene Ultraweitwinkelkamera nun über ein Dual-Kamera-System, welches vom neuen LiDAR-Sensor abgerundet wird.

Was ist LiDAR und welche Vorteile bringt es?

Bevor wir uns im Detail der Kamera widmen, will ich zunächst einmal erklären, was dieser ominöse LiDAR-Sensor ist und was er tut

LiDAR ist eine Abkürzung für „Light Detection and Ranging“ und misst mittels Licht die Dauer, die es braucht um vom ausgebenden Sensor auf das Objekt und wieder zurück zum Sensor zu treffen. Vereinfacht gesagt, ist es wie ein Echolot von Fledermäusen – nur mit dem Unterschied, dass statt Schall eben Licht genutzt wird.
Das Besondere am LiDAR-Sensor im iPad ist, dass dieser Vorgang mehrere tausend Mal pro Sekunde geschieht und somit präzise Tiefeninformationen liefern kann.

Apple beschreibt den neuen Sensor übrigens wie folgt:

„Der LiDAR Scanner misst den Abstand zu Objekten in der Umgebung in einer Entfernung von bis zu fünf Metern, funktioniert sowohl in Innenräumen als auch im Freien und arbeitet auf der Photonenebene mit Geschwindigkeiten im Nanosekunden-Bereich. Die neuen Depth Frameworks in iPadOS kombinieren die vom LiDAR Scanner gemessenen Tiefenpunkte mit den Daten von beiden Kameras und Bewegungssensoren und werden auf dem A12Z Bionic durch Computervision-Algorithmen für ein tiefgehenderes Verständnis einer Szene erweitert-„

Wer sich nun über deutlich präzisere Porträtaufnahmen gefreut hat, den muss ich leider enttäuschen. Das iPad Pro 2020 setzt den neuen LiDAR-Sensor zurzeit ausschließlich für Augmented Reality ein, ein Feld welches speziell Tim Cook seit einigen Jahren wie saures Bier anzupreisen versucht.

Wie dem auch sei, AR-Anwendungen werden deutlich vom neuen Sensor profitieren. Ich schreibe bewusst im Futur, denn zum Zeitpunkt dieses Reviews konnte einzig die hauseigene App „Maßband“ mit dem Sensor umgehen – was das Ergebnis aber nicht minder beeindruckend macht.

Nicht nur, dass die Berechnungen für Objekte jetzt deutlich schneller vonstatten gehen, der Sensor ist einfach auch deutlich genauer. So erkennt das iPad jetzt bis auf zwei bis 4 mm genau den Übergang zwischen einem Tisch und einer Wand und kann überdies besser zwischen verschiedenen geometrischen Figuren wie einer Vase auf einem Sideboard entscheiden.

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Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir jetzt (drei Jahre nach Einführung des AR-SDK unter iOS 11 im Jahr 2013) am Anfang einer sinnvollen Nutzung von AR stehen – manchmal braucht es trotz guter Software eben doch noch ein Stückchen Hardware.

Normalerweise würde ich hier gar nicht mehr groß auf die Kamera eingehen denn ich benötige diese eigentlich nur, wenn ich mal schnell ein Dokument Einscannen will.
Allerdings gibt es da draußen doch eine unglaublich große Anzahl von Menschen, die statt mit dem iPhone lieber mit dem iPad fotografieren. Bedenkt man aber, dass der riesige Screen des iPad quasi als „Sucher“ fungiert, dann kann man die Vorliebe durchaus nachvollziehen. Wie dem auch sei, mein Review zum iPad soll vollständig sein und deshalb habe ich mir die Kamera etwas genauer angeschaut.

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Das Hauptobjektiv besteht aus einem 12 MP-Sensor mit einer f/1.8 Blende die man fast 1:1 aus dem iPad Pro 10,5“ entnommen hat und im Kern immer noch aus dem iPhone entstammt. Ganz bewusst schreibe ich nur fast denn leider hat Apple den so wichtigen optischen Bildstabilisator gestrichen und setzt stattdessen auf einen elektronischen Bildstabilisator. Und Ihr ahnt es schon, das ist für das Ergebnis nicht wirklich förderlich.
Es mag ja sein, dass es im Tablet-Bereich die besten Kameras sind, der Einäuige ist immer der König unter den Blinden.

Die Bilder haben wenig Detailschärfe, die Kamera tut sich wahnsinnig schwer, korrekte Lichtverhältnisse wiederzugeben und auch der Kontrast könnte deutlich besser sein. Richtig schlimm ist aber die Lichtempfindlichkeit des Sensors, die wirklich nie hinhaut. Egal, ob drinnen oder draußen: Die Bilder neigen extrem schnell zum Ausbrennen und sind deshalb völlig zum Vergessen.

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Außenaufnahmen sind extrem ausgewaschen, ohne jede Konturen- oder Detailschärfe wie man schön an den nachfolgenden Bildern erkennen kann.

Hier lässt sich übrigens auch sehr schön die schlechte Abstimmung der Stock-Kamera-App erkennen und ist ein Grund dafür, warum ich auf dem iPhone nur noch mit der App Halide shoote.

Etwas besser in der Gesamtabstimmung schlägt sich die Ultraweitwinkellinse, die hier 10 MP bei einer Blende von f/2.4 aufweist. Über die Tatasche der zwei unterschiedlich verbauten Blenden mag ich mich gar nicht mehr aufregen, das ist wohl vergebliche Liebesmüh. Von der Weitwinkligkeit her sind die Aufnahmen überraschend gut, auch wenn das iPhone 11 Pro hier den deutlich größeren Ausschnitt erzielen kann.

An den Bildrändern hält sich die typische Krümmung ziemlich stark in Grenzen, die Schärfe auch am Rand in Ordnung und das Bildrauschen hätten ich angesichts der Blende deutlich stärker erwartet. Apple bedient sich hier allerdings mithilfe der Kamera-App des gleichen Tricks wie schon bei den iPhone-11 Modellen. Obwohl beide Geräte die gleiche Ultraweitwinkellinse benutzen ist der Unterschied hinsichtlich Farbsättigung und HDR gewaltig.

Die Ultraweitwinkellinse ermöglicht darüber hinaus noch einen zweifachen optischen Zoom; so wie man in bereits vom iPhone 7 Plus und höher kennt. Aufgrund der bisher gezeigten Kameraleistung sollte man darauf besser gleich verzichten aber macht Euch gerne selbst ein Bild davon.

Noch eine Anmerkung zum zweifachen optischen Zoom. Dieser steht im Kameramenü nicht wie vom iPhone gewohnt zur Verfügung sondern muss über das 1x-Icon über das mit iOS 13 eingeführte Scrollrad händisch eingestellt werden – etwas unkomfortabel.

Der fehlende IOS ist es auch, der mir die Lust an Videoaufnahmen mit dem iPad gründlich verhagelt hat. Nominell ist hier sogar 4K mit 60 fps möglich wodurch sich theoretisch die gleichen Ergebnisse wie mit einem iPhone XS Max oder einem iPhone 11 Pro erzielen lassen. Allerdings müsste man dazu wohl ein entsprechendes Stativ verwenden um eventuelle Ruckler während der Aufnahme von vornherein zu unterbinden – da greife ich dann lieber zum iPhone.

Deutlich interessanter ist da die Frontkamera. Die löst mit 7 MP auf und verfügt über eine f/2.2 Blende. Durch den Einsatz von Face ID und dem damit verbundenen Dot-Projektor lassen sich hier auch Porträtaufnahmen erstellen und sowohl Animoji als auch Memoji nutzen.Die Bilder insgesamt geraten etwas lebender und farbgetreuer was an der Smart HDR-Funktion liegt die Apple nur der Frontkamera spendiert.

Die Porträtbilder sind hingegen vollkommen enttäuschend. Hier stimmen weder die Farbtreue noch die Dynamiken, geschweige denn die Konturenschärfe. Richtig enttäuschend ist allerdings die Weichzeichnung in den Randbereichen, die versagt hier vollkommen wie man an den Haaren sehr schön erkennt.

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Als letzte Bemerkung zu diesem Blog sei noch gesagt, dass alle Bilder out-of-the-box kommen und bis auf das Zuschneiden vollkommen unbearbeitet sind um einen möglichst unverfälschten Eindruck gewährleisten zu können.

 

Multimedia – der Bluetoothspeaker kann zuhause bleiben

In einer Sache bleibt Apple allerdings absolut ungeschlagen und das sind die internen Lautsprecher. Schon das allererste iPad Pro 9,7“ hatte einen wirklich tollen Klang doch die Ingenieure haben in all den Jahren nochmal fünf Schippen draufgelegt.
Das man solch einen satten, präzisen und druckvollen Sound aus einem nicht einmal 6 mm dünnen Gehäuse rausholen kann ist einfach gigantisch und man muss es selbst gehört haben. Besonders beeindruckend dabei ist, dass das iPad selbst bei maximaler Lautstärke einfach nicht verzerrt- das ist der absolute Knaller und habe ich bisher sehr selten erlebt.

Wie Apple das geschafft hat, kann ich beim besten Willen nicht beantworten, doch es ist einfach genial. Ich vermute, dass sie das ganze Gehäuse dafür nutzen, zumindest vibriert das komplette iPad ganz fein. Ich konnte jedenfalls einen knapp 16m² großen Raum ohne Mühe ordentlich beschallen. Daneben hört sich jeder 50€-Bluetooth-Lautsprecher wie Hustensaft an.

Ebenfalls beeindruckend ist die Mikrofonqualität des iPad Pro. Apple verbaut hier insgesamt fünf Mikrofone und verspricht Aufnahmen in Studioqualität. Ganz so ist es nicht, jedoch lässt sich ein Podcast in vernünftiger Qualität nun auch unterwegs im Hotelzimmer in vernünftiger Qualität aufnehmen und das Mikrofon kann auch mal zuhause bleiben.
Akkulaufzeit – Alles beim Alten

Obwohl Apple den Akku im neuen iPad Pro 2020 etwas verkleinert hat, gibt das Unternehmen weiterhin die in Stein gemeißelten Laufzeiten an – sprich, wir haben die typische Akkulaufzeit von 10 Stunden. Auch wenn ich keinen Ausdauertest gemacht habe, sind die Zeiten für mich realistisch. Dreieinhalb Stunden Texterstellung im WLAN mit Recherche über Safari am iPad und dem Sync aller notwendigen Clouddienste knabberten knapp 26% Akku weg wobei die Tastatur und der Apple Pencil mit Strom versorgt wurden.

Erwähnt werden muss allerdings, das dies nur unter optimalen Bedingungen hinsichtlich des verbundene WLAN-Netzwerkes war. Sobald das WLAN oder die integrierte SIM-Karte nicht den vollen Empfang haben, zieht das integrierte Modem ganz schön am Akku und lässt die Laufzeit spürbar sinken.

 

Welche Features vermisse ich am iPad Pro?

Trotz aller Kritik ist das iPad, analog wie das iPhone, von der Hardware in meinen Augen einfach „auserfunden“. Trotzdem gibt es ein riesiges Potenzial an Verbesserungen, speziell um dem Pro-Anspruch gerecht zu werden. Kleinert Spoiler vorweg: Der SoC oder die RAM-Ausstattung sind damit nicht gemeint.

Das mir das Gehäuse einen Tacken zu dann ist habe ich ja schon erwähnt. Was ich aber wirklich schmerzlich vermisse ist eine IP-Zertifzierung. Gerade der Zeichenansatz macht das iPad Pro zu einem guten Begleiter für Architekten, Bauzeichner und Co. Die müssen natürlich auch mal nach Draußen zur Baustelle fahren und da wäre ein Spritzwasserschutz schon was Feines.

Dann muss Apple ganz dringend an der maximalen Helligkeit des Displays arbeiten, hier hat das Unternehmen seit dem iPad Pro 10,5“ keinen Fortschritt erzielen können, gleichzeitig aber jedes Jahr deutlich die maximale Helligkeit der iPhone-Modelle verbessert. Auch für diesen Use-Case muss ich wieder dein Einsatz draußen außerhalb von geschlossenen Räumen wie eben einer Baustelle usw. dafür zitieren.

Da wir gerade beim Display sind, können wir auch hier bleiben denn warum weder Dolby Vision oder zumindest HDR nicht unterstützt werden ist mir ein unbegreifliches Rätsel zumal das iPad Pro dies ja über ein extern angeschlossenes Display wiedergeben kann.

Über allem steht allerdings das Thema Software und dabei trifft iPadOS nicht einmal die Hauptschuld. Trotz aller Bemühungen liegen die Apps der Entwickler von der Funktionalität immer noch teils gravierend hinter den macOS-Versionen. Solange Cupertino das nicht in den Griff bekommt, gerne auch mit strengeren Richtlinien für den iOS App Store, wird das iPad Pro nichts weiter als ein verkrüppeltes Gerät für 1000,00€ bleiben!

 

Preise – in anderen Sphären

Machen wir uns nichts vor, es hat schon immer etwas mehr gekostet wenn man ein Produkt von Apple besitzen wollte. Dieses Mal hat man in meinen Augen den Bogen aber vollends überspannt.

Das der Einstiegspreis des iPad Pro nun um 150,00€ im Vergleich zum iPad Pro 10,5“ auf nunmehr 879,00€ angehoben wurde – darüber kann ich aufgrund des neuen Gehäuses, des LiDAR-Sensors, dem A12Z Bionic sowie dem nun mit 128Gb doppelt so großen Speicher im Einstiegs-iPad mit etwas Mühe noch hinwegsehen.

Vollkommen absurd ist aber die Aufpreispolitik hinsichtlich der „Aufrüstung“ wenn man größeren Speicher und/oder LTE haben will. 110,00€ werden für ein Bauteil fällig, welhes nur wenige Dollar Aufpreis kosten dürfte. Mit den 170,00€ Aufpreis für das LTE-Modul schießt Apple aber absolut den Vogel ab – integrierte eSIM hin oder her.

Leider bleiben diese absurden Preise nicht nur dem iPad vorenthalten, auch beim Zubehör langt Apple mehr als ordentlich hin und im Fall des Apple Pencil 2. Generation mach man dies, wie bereits erwähnt, ja gleich doppelt
Ich möchte allerdings zu gerne wissen, wer in Cupertino das neue Magic Keyboard zum Preis von 339,00€ durchgewunken hat. Das iPad schwebt in dieser Tastatur zwar, aber es ist eine gottverdammte Tastatur. Dafür kann ich auch ein aktuelles iPad 10,2“ mit 32 GB kaufen welches sogar den Apple Pencil unterstützt.

Natürlich kommen jetzt wieder die Neunmalklugen um die Ecke und erklären mir, dass die Tastatur ja beleuchtet ist, über einen USB-C-Port verfügt und übert viele Magnete verfügt. Das mag auch alles stimmen, macht die Preisgestaltung aber nicht weniger grotesk. Und wenn es deshalb nicht zu teuer ist, dann haut die Preisgestaltung nach unten mit dem Smart Keyboard Folio einfach nicht hin – das kann man drehen und wenden wie man will.

 

Fazit

Kommen wir nun zum Fazit dieses Review. Müsste ich mich hier auf zwei Worte beschränken, so fällt meine Wahl auf „Enttäuschend“ und „Frustrierend“ und das trifft es ziemlich genau.

Ich bin deshalb enttäuscht, weil Apple in der Hardware teils nicht nachvollziehbare Rückschritte gegangen ist, auf der anderen Seite schon hervorragende Merkmale wie die ohnehin schon marktführenden Performance hinsichtlich der CPU noch weiter ausgebaut hat. Und ich bin deshalb frustriert, weil das neue iPad Pro 11“ 2020 hinsichtlich des Workflow mit exakt den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie seinerzeit das iPad Pro 10,5“.

Das Apple bemüht ist, diesen Umstand zu ändern will ich ja gar nicht absprechen.Nicht umsonst hat man dem iPad mit iPadOS eine etwas eigenständigere Version von iOS spendiert. Nur lagen die Limitierungen nicht daran, dass es davor keine Mausunterstützung gab auch wenn iPadOS darüber hinaus ein paar sinnvolle Features mitbrachte. Ein Umstand mit dem allerdings auch alle anderen iPad-Modelle zu kämpfen haben auf denen iPadOS installiert werden kann.

Unter dem Strich bietet das iPad Pro gegenüber dem fast halb so teuren iPad Air lediglich genau zwei Unterschiede von denen einer im Alltag wirklich relevant ist – nämlich die 120Hz Bildwiederholrate dank ProMotion-Technologie.
Alle anderen Unterschiede wie die etwas geringere Helligkeit von 500 Nits zu 600 Nits, die dank A12 Bionic ähnliche Alltagsleistung oder der verbaute Lightning-Anschluss sind hier absolut zu vernachlässigen. Auch Stift und Tastatur spielen keine große Rolle, das iPad Air 3 kann mit den beiden günstigeren Vorgängern, dem Apple Pencil 1 und dem ersten Smart Keyboard dank Dock-Connector, betrieben werden.

Die einzig relevante Frage ist also wie folgt: „Ist das ProMotion-Display einen Aufpreis von 300,00€ zuzüglich höherer Zubehörpreise wert?“ Angesichts der ganzen Einschränkungen hinsichtlich Software und Apps ist meine Antwort ein ziemlich klares „Nein“.

So kann ich zusammenfassend nur sagen, dass mich das iPad Pro 11“ 2020 auf ganzer Linie enttäuschte und ich sogar am Überlegen war, es wieder zurückzuschicken. Stünde ich heute noch einmal vor der Wahl, mir das iPad mitsamt Stift, Keyboard und Apple Care+ zum Gesamtpreis 1632,00€ zu kaufen würde ich eher zu einem aktuellen 13″ MacBook Pro greifen. Hier bekomme ich einfach den runderen Workflow da ich nicht ständig Umwege gehen muss.

So ist das iPad Pro ein wirklich gutes Tablet hinsichtlich der Hardware, vom Display und der Kamera einmal abgesehen, und bietet dennoch viel zu wenig um die Post PC-Ära einläuten zu können. Dabei geht es nicht einmal darum, dass sich das Arbeiten mit dem iPad aus der Sache heraus verändert. Es geht lediglich um all die Umwege, durch die ich schlicht Zeit verliere. Für mich muss ein Pro-Gerät allerdings eine Zeitersparnis garantieren können – nicht umsonst heißt es ja, Zeit ist Geld.

Was meint Ihr zum neuen iPad Pro 2020? Wer hat es sich geholt und wie zufrieden seit Ihr damit? Schreibt mir das Feedback in die nachfolgenden Kommentare.

 

Macht´s gut und bis zum nächsten Mal hier auf dem appletechnikblog, Euer Patrick

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