WhatsApp und sein Datenhunger

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Beitrag auf meinem Blog,

ich gebe es zu, es gab mal vor fast zehn Jahren eine Zeit, wo ich tatsächlich auch Nutzer von WhatsApp war. Doch der Messenger entwickelte sich ziemlich schnell zu einem Alptraum, was vor allem an den Inhalten der Nachrichten lag. Ich weiß nicht mehr, wie viele teils eklige Videos ich zugeschickt bekam. Als dann noch Facebook den Messenger kaufte, war für mich die Zeit für ein Wechsel bekommen.

Facebook vergrößerte seinen Einfluss

Vor allem der immense Kaufpreis schockte damals die Welt, auch für heutige Verhältnisse zahlte das soziale Netzwerk die unfassbare Summe von 19 Mrd. US-Dollar – nur zum Vergleich: Instagram kaufte Facebook ein Jahr zuvor für etwas mehr als eine Milliarde Dollar.

Wie dem auch sei, schon damals wurden recht schnell die Bedenken laut, dass facebook es mit der Privatsphäre nicht so genau nehmen würde. Die Bedenken waren so groß, dass sich WhatsApp dazu in einem Blogpost erklärte:

Wenn die Zusammenarbeit mit Facebook bedeutet hätte, dass wir unsere Werte hätten ändern müssen, hätten wir es nicht getan. Stattdessen streben wir eine Partnerschaft an, die es uns erlaubt, weiterhin unabhängig und autonom zu operieren. Unsere grundlegenden Werte und Prinzipien werden sich nicht ändern. Alles, was WhatsApp eine der führenden Apps im Bereich des privaten Messaging gemacht hat, bleibt erhalten. Wilde Spekulationen, die das Gegenteil behaupten haben keine Grundlagen und sind einfach nur unvernünftig. Sie haben nur die Folge, Personen fehlzuleiten, dass wir plötzlich anfangen würden, alle möglichen Informationen zu sammeln. Das ist einfach nicht wahr und es ist wichtig, dass du das weißt.

Für mich stand allen voran das Abschöpfen der Mobilfunknummern im Fokus, hatte facebook doch zuvor vergeblich versucht, seine Nutzer zu Hinterlegung selbiger in ihrem Facebook-Profil zu bewegen. Das all diese Sorgen begründet waren, zeigte sich nur zwei Jahre später

Facebook fing an immer mehr Daten von WhatsApp abzuschöpfen und erklärte dies damit, den Service und die User Experiance verbessern zu wollen und gleichzeitig Spam vermeiden zu wollen. Wenig überraschend sollte dazu ausgerechnet die Handynummer mit Facebook geteilt werden. Eine Einspruchsfrist gab es zwar, diese war jedoch recht kurz und gut versteckt.

Neue Bedingungen – unklare Situation

Und damit machen wir einen Sprung ins Jahr 2021 und zu den Änderungen im App Store. Bereits seit einigen Wochen müssen alle Entwickler, die Apps im iOS App Store vertreiben, in Form eines „Beipackzettels“ unter dem Reiter „App-Datenschutz“ klar und eindeutig Farbe bekennen: Welche Daten werden erhoben und wie verwendet.

Dabei zeigt sich, dass Messenger mit einem extremen Datenhunger aufwarten und sowohl WhatsApp als auch der Messenger von Facebook die traurige Spitze einnehmen. Kein anderer Messenger sammelt mehr Daten über seine Nutzer als diese beiden.

Auflistung von Forbes

Fairerweise muss man hier erwähnen, dass iMessage fehlt. Dies liegt daran, dass dieser Messenger Bestandteil von iOS ist und nicht separat als App heruntergeladen werden muss. iMessage selbst erhebt nur wenige Informationen, liegt aber hinter dem Messenger Signal. Konkret werden bei iMessage E-Mail-Adresse, Rufnummer, Suchverlauf und die Geräte-ID erhoben und mit dem Nutzer verknüpft. Zusätzlich ermittelt iMessage den ungefähren Standort sowie Leistungs- und Diagnosedaten, allerdings anonymisiert.

Kommen wir wieder zurück zu WhatsApp, denn ab dem 08. Februar 2021 treten neue Nutzerbedingungen in Kraft und diese sollten die Alarmglocken schrillen lassen. Ab diesem Tag überträgt WhatsApp einen nicht unwesentlichen Teil der Daten direkt zu Facebook zu denen Folgende gehören:

  • Telefonnummer
  • Transaktionsdaten
  • Informationen zu Diensten
  • Interaktionen
  • Informationen über dein Mobilgerät
  • IP-Adresse
  • sonstige Daten

Das soziale Netzwerk will damit die User Experiance zwischen beiden Diensten vereinheitlichen und diese zusammenbringen. Das ist mehr als fragwürdig, vor allem mit Hinblick auf Cambridge Analytics und deren Folgen. Besonders perfide ist dabei, dass WhatsApp darüber lediglich via In-App Pop-Up informiert – etwas, was gerne mal schnell weggeklickt wird. Wer dem nicht zustimmt, dürfte den Dienst wohl nicht mehr nutzen können. Das sogenannte Opt-Out entfällt also

Innerhalb der EU aber stellt sich die Situation etwas schwieriger da, denn gemäß der europaweit geltenden Datenschutzverordnung wäre die Abschaffung eines Opt-Out illegal. Dieser muss zwingend vorhanden sein, wenn neben technischen Informationen auch persönliche Informationen (was bei WhatsApp gegeben ist) an Dirtte weitergegeben werden.

Facebook setzt sich über eigene Zusage hinweg

Im Rahmen der kartellrechtlichen Zustimmung durhc die EU-Kommission bekam das soziale Netzwerk zudem die Auflage, keine Verknüpfung der Dienste Facebook und WhatsApp vorzunehmen. Eine Auflage, über die man sich spätestens 2016 hinwegsetzte und zu einem Bußgeld von 110 Millionen Euro verdonnert wurde – was offensichtlich wenig beeindruckend für Facebook war.

Persönliche Inhalte wie Chats, Fotos und Videos werden zwar innerhalb von WhatsApp mittlerweile Ende-zu-Ende-verschlüsselt doch darum geht es sekundär. Es geht vielmehr um die soften Daten, mit denen sich im Netz vollständige Profile erstellen lassen und Nutzern eindeutig zugeordnet werden können.

Zudem muss man wissen, dass besagte Inhalte über Umwege bei Android-Usern sehr wohl ausgelesen werden können. Denn das WhatsApp-Backup wird unverschlüsselt im Google Drive auf den Servern des Suchmaschinengiganten abgelegt.

Doppelmoral von Facebook

Unter Berücksichtigung aller Fakten dürfte nun jeder die Intention erkennen, die Facebook dazu bewog, sich noch im Dezember 2020 so vehement gegen die neuen Datenschutzlabel von Apple im iOS App Store auszusprechen. Konkret beschwerte sich Facebook dabei, das Imessage beispielsweise kein solches Datenschutzlabel aufweise.

Das mag zwar stimmen, dafür gibt es bei Apple allerdings eine mehr als ausführlicher Sektion auf der Webseite von Apple, hier nachzulesen. Dort teilt der iPhone-Konzern übrigens sehr detailliert mit, wie Daten erhoben und verarbeitet werden.

Zeit für Alternativen

Ich sage es ja schon bereits seit Jahren, und die oben gezeigte Grafik macht es mehr als deutlich, Jeder der WhatsApp nutzt, sollte sich dringend nach einer Alternative umsehen. Nun hat nicht jeder ein iPhone und kann iMessage nutzen. Threema, Telegram oder Signal sind jedoch hervorragende Alternativen. Sie erheben nicht nur signifikant weniger Daten, sie bieten auch nahezu den gleichen Funktionsumfang wie WhatsApp

Welchen Instant Messenger benutzt Ihr eigentlich? Schreibt mir Euer Feedback in die nachfolgenden Kommentare.

Macht´s gut und bis zum nächsten Mal hier auf dem appletechnikblog, Euer Patrick a.k.a. Meister des Apfels

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